Anna Lattin über Sprache, Ankommen und Porto Alegre
Shownotes
Was bleibt von einem Jahr in Brasilien? Anna Lattin spricht mit Anne über ihren Freiwilligendienst in Porto Alegre, wo sie Kinder und Jugendliche begleitete und Einblicke in die soziale Arbeit erhielt. Sie erzählt vom Ankommen mit einer neuen Sprache, von Freundschaften und davon, wie unterschiedliche Kommunikationsweisen sie herausforderten. Heute engagiert sie sich für neue Freiwillige und sagt: Loslassen heißt nicht verlieren, denn man nimmt immer einen Teil mit.
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00:00:07: Hallo!
00:00:08: Willkommen zu Losgelassen, dem Podcast über Aufbruch, Begegnung und ein Jahr das den Blick auf die Welt verändert.
00:00:15: Dem Podcast zum internationalen Freiwilligendienst von Mission Eine Welt.
00:00:20: Ich bin Anne.
00:00:21: Gemeinsam mit meiner Kollegin Katrin erzählen wir hier Geschichten von jungen Menschen wie genau das getan haben.
00:00:28: Sie haben losgelassen und sind aufgebrochen.
00:00:31: Wir hören Geschichten vor Mut Von Zweifeln von Begegningen Und von Momenten die alles verändern können.
00:00:38: Heute ist Anna-Latin bei uns zu Gast.
00:00:40: Sie hat von hier bis in Brasilien eine Tagesstrukturierendeinrichtung für Kinder und Jugendliche gearbeitet.
00:00:49: Schön, dass ihr da seid und zuhört!
00:00:52: Und natürlich Anna, schön, dass du da bist – willkommen!
00:00:55: Ja, schön das ich da sein darf!
00:00:58: Bevor wir gleich über den Freiwilligendienst sprechen ... Einfach nochmal, wie lang ist es her?
00:01:03: Zwei Jahre zurückreisen.
00:01:06: Willst du uns kurz erzählen in welcher Lebensphase du jetzt im Moment steckst?
00:01:10: Ja voll gerne!
00:01:11: Ich mache gerade ein Master internationaler soziale Arbeit in Erfurt weil ich habe vor meinem freiwilligen Dienst schon soziale Arbeiten Bachelor studiert und begebe mich übermorgen in mein Praxissemester in Wien und bin jetzt gerade irgendwie schon wieder total auf der Reise und am Loslassen.
00:01:30: Ja spannend, das heißt du befindest sich jetzt wieder in einer Phase des Aufbruchs.
00:01:34: Dann sprechen wir jetzt aber erst mal über den Aufbruch vor zwei Jahren.
00:01:41: Da hast Du Dein freiwilliges internationales Jahr in Brasilien und Porto Alegre gemacht.
00:01:45: Und wenn Du an dein freiwilligen Jahr denkst wie weit weg fühlt sich das jetzt für Dich an?
00:01:52: Das ist total absurd, weil im einen Moment fühlt sich das total weit weg an.
00:01:56: Weil ich jetzt ja wieder in einer ganz anderen Lebensrealität bin und ich glaube, ich tendiere auch dazu Anorten zu sein Und wenn ich da bin, dann bin ich dort aber wenn ich dann wieder weg bin Ist es gleich weit weg.
00:02:08: Aber dann habe Ich Erinnerungen Wenn ich Musik höre, wenn ich Bilder sehe.
00:02:13: Es ist fast als ob's eigentlich erst gestern war und als ob ich Vorgestern mein Koffer gepackt hab und wieder zurückgekommen bin irgendwie die ganze Zeit da, aber jetzt nicht so dass ich die ganze zeit noch festhänge glaube ich.
00:02:27: Und wo findest du jetzt noch so Spuren in deinem Alltag aus dem Jahr?
00:02:31: Ich finde zum Beispiel in meinem Bücherregal... ich bin gut im Packen.
00:02:35: deswegen habe ich relativ viel Platz in meinem Koffer gehabt und hab einige Bücher mitgenommen um sie zu lesen auf portugiesisch und natürlich habe ich die wenigsten davon bis jetzt gelesen, aber ich sehe sie immer wieder und möchte wieder reinkommen.
00:02:48: Und mehr die Sprache sprechen und die Bücher lesen.
00:02:51: Ich hab ganz viele Bilder- und Kunstdrucke mitgenommen und aufgehängt also irgendwie in meinem Zimmer hat man es auf jeden Fall noch ganz schön arg gesehen wo ich war.
00:03:04: Und hast du noch manchmal Gelegenheiten portugiesisch zu sprechen?
00:03:08: In dem Alltag?
00:03:09: Wenig!
00:03:10: Ich hatte lustigerweise in einem Unikus, denn wir kombiniert mit so einem anderen Masterstudiengang hatten mit ganz vielen internationalen Studierenden.
00:03:17: Da war auch jemand aus Sao Paulo dabei und dann neulich mich mal den ganzen Abend mit ihm unterhalten.
00:03:24: oder hier bei MEW war ich im Seminar und konnte mich dann mit dem Süd-Nordfreiwilligen auch auf Portugiesisch unterhalten.
00:03:31: aber es ist wirklich sehr viel weniger geworden Und ich merke auch total, da fehlt dann die Sicherheit.
00:03:36: Also ich war so sicher in dieser Sprache und obwohl ich die Worte theoretisch immer noch verstehe habe ich die Sprechssicherheit nicht mehr.
00:03:45: Ja, Sprache muss einfach immer geübt werden ne?
00:03:48: Du hast ja erzählt du hast davor schon einen Bachelorabschluss in sozialer Arbeit gemacht.
00:03:53: und was hat dich dazu bewegt noch ein Freiwilligendienst im Brasilien zu machen?
00:03:58: und wie bist du denn auch hier zur Mission eine Welt gekommen?
00:04:01: Also es war irgendwie eigentlich total spontan, weil ich habe überlegt was ich dann nach dem Bachelor mache und ich bin nicht so gut in meiner Entscheidung getrefft.
00:04:10: Und deswegen wollte ich mich nicht gleich schon für irgendwas für mein ganzes Leben kommenten und für ihren Job und vierzig Stunden arbeiten sondern ich hab irgendwie nach einer Alternative gesucht und ich wusste auch schon dass es so freiwillige Dienste gibt.
00:04:21: Ich habe auch vor meinem Bachelor schon einen bundesfreiwilligen Dienst in Deutschland gemacht weil ich glaube zu dem Zeitpunkt wäre das noch nichts für mich gewesen.
00:04:29: Und dann habe ich mich ganz viel mit anderen Studierenden unterhalten und die Quote von Leuten, die soziale Arbeit studieren und ein weltwärtsfreiewilligen Dienst gemacht haben schon relativ hoch.
00:04:37: Und meine beste Freundin war tatsächlich mit MEW-Ninzehnzwanzig im freiwilligen Dienst und daher kenne ich dann MEW.
00:04:47: Ich hab Studierende aus Brasilien kennengelernt und mich mit denen angefreundet und voneinander hatte gesagt sie muss jetzt immer Deutsch auf Du lingo lernen und das ist so schwierig.
00:04:55: und dann habe Und dann hat eins zum anderen geführt und dann so, ah ja, Samira hat gesagt, MIV schickt auch nach Brasilien.
00:05:05: Bewerb dich doch mal dort!
00:05:06: Da habe ich eine Bewerbung geschickt und dann war ich zum Ausweisseminar hier im Dezember, mit Zusage bekommen.
00:05:13: Dann war ich hier.
00:05:15: Du hast jetzt gesagt du glaubst du wärst vor dem Studium noch nicht soweit gewesen?
00:05:21: Warum denkst du
00:05:22: das?!
00:05:24: Ich bin in einem relativ kleinen Dorf aufgewachsen und da ist irgendwie alles so, man ist behütet.
00:05:32: Man kommt nicht raus in die Welt.
00:05:34: Und ich glaube, ich habe persönlich die Zeit noch gebraucht aber ich finde es total bewundernswert, dass sich so viele Leute mit gerade mal achtzehn das Zutrauen und ein ganzes Jahr lang soweit weggehen und alle gewohnten Strukturen verlassen.
00:05:50: Ich hab einfach irgendwie noch mehr Sicherheit gebraucht zu dem Zeitpunkt.
00:05:54: Und wie hat dein Umfeld reagiert, als du das erzählt hast?
00:05:58: Deine Familie ...
00:06:00: Also meine Oma hatte natürlich sehr viel Bedenken, dass ich so lange soweit weg bin aber das hat jetzt auch nicht so viel Unterschied gemacht.
00:06:07: ob Regensburg oder Brasilien ist beides sehr weit weg für sie.
00:06:11: Meine Eltern sind relativ entspannt.
00:06:13: mein Paar war so okay viel Spaß.
00:06:15: dann können wir dich ja besuchen kommen.
00:06:17: haben sie dann auch gemacht.
00:06:20: Ich glaube, ich habe da auch einfach einen sehr guten Stützer, auch wenn ich weiter weg bin.
00:06:26: Wenn ich ihn angerufen hätte, kannst du mich in Brasilien abholen, wäre gekommen.
00:06:30: Du hattest immer so diese Sicherheit im Rücken?
00:06:34: Wie erinnerst du dich an die Zeit vor der Ausreise?
00:06:40: Wir hatten ja die Begleitseminare und ich fand es irgendwie spannend dort zu sein weil ... Die meisten anderen Freiwilligen, die mit in der Vorbereitung waren, waren ja alle so im gleichen Lebensabschnitt.
00:06:51: Also auf dem einen Vorbereitungsseminar haben alle fürs Abi gelernt und dann waren die ganzen Abschlussfeiern und ich habe meine Bachelorarbeit geschrieben und es war irgendwie anders aber auch ähnlich Dann, weil ich da das Gefühl hatte wir sind noch total an verschiedenen Punkten.
00:07:11: Als ich dann nach Brasilien geflogen bin und wir da nochmal Seminar hatten, waren wir plötzlich alle so auf dem gleichen Stand, obwohl wir aus ganz verschiedenen Orten, verschiedenen Lebenssituationen gekommen sind.
00:07:22: Weil wir alle genau da bei Null angefangen haben.
00:07:25: Und das finde ich schön mitzuerleben.
00:07:28: Aber... Ich war auf jeden Fall bereit loszugehen!
00:07:35: Schön und ... Weißt du noch wovor du vielleicht Respekt oder Angst hattest?
00:07:40: Ich würde sagen, vielleicht vor so einem Sicherheitsnetzwerk.
00:07:45: Weil ich mir das eben da wo ich studiert hab dann aufgebaut habe, weil ich das von zu Hause kannte und dann jetzt an dem ganz neuen Ort wieder nochmal anfangen.
00:07:52: In so einem Moment dann natürlich immer schwieriger ist und ich bin auch nicht die beste im Kontakt halten, also ich bin schlecht im WhatsAppsbeantworten.
00:07:59: Ich bin schlechte Leute anrufen und wie sich das dann alles entwickelt mit meinen Freunden nicht zurücklassen aber auch mit vielleicht neuen Freundschaften die schließe, für den man das alles unter einen Hut bekommen kann und vierzig Stunden arbeiten und eine neue Sprache sprechen.
00:08:14: Ich glaub, ich hab ein bisschen Respekt schon davor gehabt.
00:08:16: Die ganzen Herausforderungen, die auf mich zukommen ... Ich hab mir aber auch das Ziel gesetzt, dass ich Sprache sprechen werde, egal wie viele Fehler ich mach.
00:08:25: Weil das habe ich in der Schule den Fehler gemacht.
00:08:27: Dass ich mir das nicht zugetraut hab und dann lernt man halt nix.
00:08:30: Und kann auch kein Netzwerk zu sich zusammensuchen.
00:08:36: Ist der Plan aufgegangen?
00:08:37: Hast du dich von Anfang an ... Reingestürzt sprachlich?
00:08:41: Ja, ich habe mich komplett reingestützt.
00:08:43: Also ich hab' mich auch vorbereitet!
00:08:44: Ich hatte schon ein A-Einskurs gemacht und ganz fleißig Vokabeln gelernt.
00:08:48: Das hab' ich vorher noch nie gemacht.
00:08:49: Wow, ganz neue Experience mit... Dreiundzwanzig!
00:08:52: Ähm.. Und dann war ich da und ich hab alles gesagt was ich konnte und wenn ich Worte nicht verstanden hab', hab' die direkt aufgeschrieben und gegoogelt versuchen zum Beispiel.
00:09:03: Die Übersetzung, die hab' dich bestimmt fünfund zwanzig Mal gegoogelt bis ich mir sie merken konnte.
00:09:07: Festsuchung?!
00:09:08: Ich weiß nicht, warum ich dieses Wort nicht mehr merken konnte.
00:09:11: Tenta!
00:09:15: Um immer wieder neu dazu zu lernen und habe das Jahr über auch wirklich das Gefühl gehabt, ich hab kontinuierlich dazugelernt und mein Umfeld hat sich mir auch angepasst.
00:09:24: also am Anfang sagen die Leute eben die Sachen dann sehr klar in wenigen Worten, die du verstehen kannst.
00:09:29: aber mit jedem Wort und jeder Grammatikstruktur die ich mehr konnte haben Leute mir auch mehr zugetraut und dann wurden mir Witze erklärt andere Sachen und dann konnte ich am Ende sogar halt ganze Gespräche ganz normal führen.
00:09:44: Das ist sehr schön!
00:09:45: Dass Sie einen ganz anderen Einblick bekommen.
00:09:49: Und wie war für Dich so der Moment, der Abreise?
00:09:51: Wenn wir jetzt nochmal zurückgehen da zum Flughafen oder der Vormittag vor dem Weg zum Flughaufen...
00:10:00: Also ich glaube den Vormitteilchen fand ich irgendwie ganz absurd weil es ist irgendwie so nur warten.
00:10:07: Und so man ist schon fertig, die Koffer waren gepackt und das ist irgendwie noch frühes und der Flieger ist irgendwie nachmittags vielleicht oder gegen Abend geflogen, ich glaube so gegen sechs dann hat man ja noch den ganzen Tag vor sich und wartet nur noch.
00:10:22: Dann war ich irgendwann so wie müssen jetzt losfahren?
00:10:24: Ich kann jetzt nicht mehr warten!
00:10:26: Wir sind von Frankfurt ausgeflogen und meine Eltern wohnen in der Nähe von Frankfurt, d.h.
00:10:31: man fährt so eine Stunde Und die sind dann mit mir nach Frankfurt gefahren und es war noch viel zu viel Zeit.
00:10:35: Wir waren auch noch in der Stadt, ich hab noch das Gruppenfoto von unserem Abschlusseminar ausgedruckt weil irgendwas muss man ja dann auch noch tun in dieser Zeit.
00:10:43: Da war grad auch irgend'n Fest, da gab's dann noch präsentialisches Essen tatsächlich so ein Stand.
00:10:48: Dann haben wir noch da was zu essen gekauft meine Eltern und ich und dann sind wir zum Flughafen gefahren.
00:10:54: irgendwie war ich dann auch so ready to go.
00:10:56: Ich war dann auch wirklich so tschüss.
00:10:58: jetzt.
00:10:59: Ich möchte jetzt, ich muss jetzt losgehen.
00:11:01: Ich möchte durch die Kontrolle gehen und ich glaub meine Mama hätte sich gerne noch ein bisschen länger verabschiedet aber ... ich war schon fast weg!
00:11:11: Und dann, ja, hab ich da meine Mitfreiwillige getroffen und dann sind wir nach Brasilien geflogen und dann waren wir da einfach...
00:11:19: Wie war denn das ankommen?
00:11:21: Wer hat euch abgeholt?
00:11:23: Also Wir sind erst mal in Sao Paulo gelandet, nach so zwölf Stunden Flug und das war alles grau und kalt unterregnerisch.
00:11:31: Weil im Anfang August geflogen, da ist halt gerade noch so Winter-Herbstzeit Und es war saukalt.
00:11:38: Ich hab so gefroren und wenn man dann auch die ganze Nacht irgendwie total wenig geschlafen hat in diesem Flugzeug, dann mussten wir noch mal umsteigen.
00:11:45: Wir sind nach Kodiji bei erst geflogen und da hat uns unsere Mentorin Simone abgeholt.
00:11:49: Dann mussten mir noch eine halbe Stunde warten weil noch ein anderer Freiwillige mit einem anderen Flugzeug gekommen ist.
00:11:54: Ich war irgendwie so bereit irgendwo anzukommen und ich fand das ganz anstrengend zu warten.
00:12:00: Wir sind in so einem Tagungshaus angekommen von so Klosterschwestern.
00:12:04: Was total schön war, weil es ein ganz ruhiger Ort war und aber wir auch den hier essen mitgegessen haben.
00:12:10: das heißt wir hatten schon in der ersten Woche total die Möglichkeit ganz viel traditionelles brasilianisches Essen mal zu probieren und haben auch noch paar von den Vorfreiwilligen die erst nach unserer Anreise abgereist sind treffen können und zwar irgendwie da ein sehr sehr schönes behütendes ankommt jetzt noch so einen ganz großen Garten, das noch so ein Stück ursprünglicher Wald in dieser Stadt war.
00:12:37: Wo man einfach mal hingehen konnte und wir noch einen Sprachkurs.
00:12:40: Und konnten dann irgendwie uns alle kennenlernen.
00:12:42: Es hat total gut da erstmal mit uns allen anzukommen.
00:12:46: Das heißt du hast dann gleich die anderen Freiwilligen, die in Brasilien verteilt gearbeitet haben kennengelernt?
00:12:53: Ja genau!
00:12:58: Dann war das Seminar zu Ende.
00:13:00: Dann seid ihr nach Porto Alegre gereist.
00:13:04: Wir sind dann mit dem Bus dahin gefahren, ähm... doch irgendwie ist er denn... Jetzt haben wir in diesem Bus noch mal zwölf Stunden gefahren und sind da angekommen an so einem riesen Busbahnhof, das ich ja auch gar nicht gekannt habe eigentlich weil hier in Deutschland reißt man viel mit dem Zug und Reisebusse sind jetzt nicht des Hauptverkehrsmittel aber in Brasilien eigentlich schon.
00:13:31: Und dann waren da irgendwie über fünfzig Busplätze und unglaublich viele Menschen, ich wusste gar nicht wohin und dann sollten wir da abgeholt werden aber ich wusst ja auch eigentlich gar nicht von wem.
00:13:41: und dann standen wir da draußen und haben geguckt und gewartet.
00:13:45: Dann wurde Marie erst abgehult an einer anderen Einsatzstelle und war dann irgendwie weg und dann noch.
00:13:51: und dann war dann eine Frau nur so Anna Miriam!
00:13:54: Wir konnten beide wenig portugiesisch In dem Moment vor allem.
00:13:59: Und dann hat sie uns mitgenommen und zur Kirche gefahren, weil da unsere Wohnung war... ...und diese Frau habe ich dann ganz lange nicht mehr gesehen!
00:14:07: Ich wusste nicht wer sie war!
00:14:08: Ich konnte mir ihren Namen nicht merken können!
00:14:11: Und es hat sich dann rausgestellt, dass die in der Kirche aktiv ist und an meiner Einsatzstelle auch immer so die Abrechnung kontrolliert hat und da praktisch ehrenamtlich mitgearbeitet hat.
00:14:22: Und sie halt da Zeit hatte, uns abzuholen.
00:14:26: Es war auch nicht so ganz genau abgesprochen, also meine Chefin war irgendwie auch auf dem Weg dahin und dann hat sie die angerufen und gesagt ja sie hatten schon abgeholt.
00:14:34: Und dann hat sich uns zur Kirche gefahren und da abgesetzt und gemeint sie muss jetzt auch weichern.
00:14:38: und dann standen wir irgendwie... bis dann jemand anderes kam mitgenommen hat, unsere Wohnung gezeigt hat.
00:14:45: Und dann hatten wir auch noch mal das Privileg nochmal zwei Tage ankommen zu dürfen.
00:14:50: also wir hatten erst den Nachmittag noch und am nächsten Tag ist meine Chefin gekommen und hat uns die Stadt ein bisschen gezeigt, hat uns gezeigt wo wir was einkaufen können in der Nähe wo man hin kann, wo man nicht hin soll und dann einen Tag später ziemlich früh es abgeholt und uns meiner Einsatzstelle gezeigt.
00:15:12: Dann haben wir es aber auch nur gezeigt bekommen und zum Mittagessen, wenn wir da haben die ganzen Gruppen kennengelernt.
00:15:17: Und dann sind's auch Freitagsnachmittag direkt noch mal heimgeschickt.
00:15:22: Das ist sehr viel Zeit zu ankommen.
00:15:24: War sehr gut alles auspacken!
00:15:28: Und dann hast du dich in deine Wohnung eingerichtet?
00:15:31: Wie hast du dort gelebt?
00:15:34: Wir haben im sechsten Stock im Kirchengebäude gelebt.
00:15:38: Da ist die Kirchenverwaltung noch drin.
00:15:40: Eigentlich ist der Hauptsitz von ganz Brasilien und es gab oben drei Pastorenwohnungen, zu dem Zeitpunkt als wir eingezogen sind aber nur eine Pastorenfamilie und deswegen war auch schon länger die Wohnung dann für die Freiwilligen da und die Wohnung war eigentlich riesig!
00:15:55: Es wäre eine Küche und ein großes Wohnzimmer.
00:15:58: Das waren vier einzelne Zimmer für Freiwillige und noch so ein kleines Extra-Zimmer Und auf beiden Seiten noch komplett Fensterfond, wo man dann auf die Stadt runter rausgucken konnte.
00:16:13: Schön war es da!
00:16:15: Ja das klingt schön.
00:16:16: Habt ihr dann Sonnenaufgänge da gesehen oder Sonnenuntergänge?
00:16:20: Also ja und zwar das war das Beste.
00:16:24: Gegenüber von meinem Zimmer war so ein großes Gebäude mit leicht verspiegelten Gläsern.
00:16:29: Das heißt wenn die Sonne... hinter dem Haus aufgegangen ist, hat die auf dieses verspiegelte Glas geschieden und dann hatte ich früh schon Sonnenlicht.
00:16:36: Und abends ist sie dann eben auf der Seite von meinem Zimmer untergegangen.
00:16:39: Das heißt nachmittag war auch noch mal richtig schönes Licht da.
00:16:43: Ich hab so viele Bilder aus dem Jahr von irgendwelchen Lichtpunkten in dieser Wohnung und irgendwelche Schatten.
00:16:49: Jetzt find' ich immer selber schön.
00:16:50: Ich fotografiere wirklich gerne Lichter und Schatten!
00:16:54: Schön...
00:16:55: Und ja, dann hattet ihr diese Zeit anzukommen und dann hat er irgendwann auch die Arbeit gestartet.
00:17:01: Wie war dort das Ankommen für dich?
00:17:03: Was waren deine Aufgaben?
00:17:04: wie hat da so ein normaler Tag ausgesehen?
00:17:08: Ich finde ich wurde richtig gut aufgenommen.
00:17:11: also die Einrichtung funktioniert so Weil Schule in Brasilien werden auf die Schulgebäude doppelt belegt, das heißt es gibt zum Beispiel die Oberstufe hat Vormittagsunterricht und die Mittel- und Unterstufer erst am Nachmittag.
00:17:25: Das heisst es gibt so zwei Turnusse Und wir haben praktisch Angebote gemacht für die Kinder in der Zeit, in der sie nicht in der Schule waren.
00:17:34: Dann waren frühes von acht bis um eins Der erste Turnus in unserer Einrichtung und von zwölf bis um fünf ist die zweite Tagesgruppe gekommen.
00:17:44: Und ich hab eigentlich immer die kleinste Gruppe begleitet, die waren so sechs bis acht Jahre alt.
00:17:51: Die sind frühes gekommen und konnten sich erst mal frei beschäftigen.
00:17:54: Dann gab es Frühstück für sie in zwei Blöcken spezifische Angebote zum Beispiel Häkeln oder es gab auch Tenniskurse ... Also, so Sachen.
00:18:04: Dann gabs noch ein Mittagessen und dann sind sie in die Schule gegangen.
00:18:08: Ich habe einfach die Lehrkräfte die jetzt hierin unterstützt und war mit Anwesen begleitet, selber auch teilweise Angebote gemacht.
00:18:26: Und jetzt hattest du ja schon deine sozialpädagogische Ausbildung davor?
00:18:30: Wie war das dann so in dieser Rolle der Freiwilligen zu sein?
00:18:36: Also ich hab mir die Rolle als Freiwilliger eigentlich auch aktiv ausgesucht, dass sich nicht in eine Verantwortungsposition da möchte.
00:18:43: Ich wollte nicht irgendwo hin und sagen hier, das sind das gelernt und ich kann alles besser, weil das stimmt ja gar nicht sondern ich wollte diese freiwilligen Positionen wo man eben vor allem da ist um selber was zu lernen.
00:18:58: und trotzdem hat meine Chefin geschafft mir Möglichkeiten zu bieten, zwar gab es auch noch in der Einrichtung.
00:19:06: Es war so ein bisschen abgetrennt Sozialpädagogik also eher für das ganze Stadtteil aber da waren eben auch viele Eltern von den Kindern mit dabei und sie mir eben angeboten dass ich dann ab der zweiten Hälfte aus sprachlichen Gründen da dann auch mit dabei sein darf.
00:19:23: Also ich hatte jetzt keine krasse Verantwortung mit den Kindern, nicht anders als andere Freiwillige auch und konnte trotzdem auch Sachen die zu meinem Fach passen erleben.
00:19:34: Und dann durfte ich ab April zweimal ... also doch zweimal die Woche bei der Sozialpädagogik dabei sein und auch mit zudem ihrem Treffen von den ganzen Leuten von der Stadt.
00:19:45: und da waren eben Leute, die zum Beispiel ja Aus einkommensschwachen Familien, die Probleme mit Finanzierung hatten.
00:19:56: Die Probleme mit Wohnen hatten ... Ja und das war total schön, dass ich eben da auch die Möglichkeit bekommen hab und es angepasst war an meinen Stand, wo mir das möglich gemacht wurde.
00:20:10: Und ich habe auch nicht das Gefühl, dass es irgendwann mit den Kindern mal ausgenutzt würde.
00:20:14: also wie auch meine Vorfreiwillige und sicherlich alle danach wenn mir Verantwortung übertragen worden ist die nicht zu der freiwilligen Aufgabe grundsätzlich gepasst hat.
00:20:23: Wurde ich immer gefragt, ich konnte immer nein sagen, ah es ist jemand krank.
00:20:27: kannst du dir vorstellen heute früh mal zwei Stunden mit den Kindern alleine sein zu sein?
00:20:30: aus der Gruppe, konnte ich ja sagen oder ich konnte auch nein sagen und wenn ich nein gesagt habe dann musste ich das auch nicht.
00:20:36: Das ist glaube ich total wertvoll da eine richtig gute Balance zu finden und auch glaube ich schwierig.
00:20:45: Schwierig jetzt von Seiten der Einsatzstelle
00:20:47: auf?
00:20:48: Ja
00:20:49: genau.
00:20:50: Und gab es denn irgendwas an der Arbeit oder an der Einsatzstelle, was dich auch überrascht hat?
00:20:56: Also wo du in Deutschland vielleicht noch ein ganz anderes Bild von Sozialarbeit hattest.
00:21:01: Oder also von Sozialarbeit im Brasilien dass du dir irgendwie das anders ausgemalt hast?
00:21:08: Ich glaube was mich irgendwie überrasacht hat und vielleicht auch ein bisschen schockiert klingt so übertrieben.
00:21:17: aber ich habe immer wieder versucht mich weiter in irgendwie dieses Sozialsystem einzulesen, weil wenn man das alles hört und dann sind es ganz viele Abkürzungen da muss man sich das erstmal merken.
00:21:29: Was heißt Zafi?
00:21:30: Was heißt... Jetzt fallen mir keine anderen Abközungen mehr ein.
00:21:35: Und dann hat die Psychologin, die da im Sozialdienst mitgearbeitet hat erzählt davon dass sie einen Fall mitbringen um vielleicht Wohngeld zu bekommen dass es aber dann mehrere Stellen sind, die da zusammenkommen.
00:21:53: Acht oder so, die jeder mindestens zwei Fälle mitbringen, wo sie eigentlich gerne dieses Geld für hätten.
00:21:58: Aber es gibt für den Monat nur zweimal dieses Wohngeld zu verteilen und es gibt auch ein Bauchserfamilie was sowieso Familiengeld ist.
00:22:07: Ein bisschen wie bürgergeldmäßig, aber auch total begrenzte Anzahl.
00:22:14: also es reicht nicht das man die Kriterien erfüllt um dieses Geld zu bekommen, was man erfüllen muss.
00:22:20: Sondern dann muss auch noch ausgewertet werden wer braucht's am dringendsten, wer hat die überzeugendsten Argumente?
00:22:27: Weil es halt nicht genug Plätze gibt und das zu verteilen.
00:22:32: Und das fand ich in dem Moment irgendwie total schade dass es schon so niedrigschwellige Bedürfnisgruppen gibt.
00:22:43: Und dann ist aber auch nicht so, dass jeder das bekommen kann der in diese Einordnung fällt.
00:22:49: Das heißt, da hängt es dann auch an der Sozialarbeiter in.
00:22:54: dann gute Argumente.
00:22:57: Ja, also... Da war ich dann bei dem Gespräch nicht dabei aber das klang auf jeden Fall so als ob man da wirklich total stark drum kämpfen muss für seine Klientinnen und natürlich wäre's dann wünschenswert wenn es schon eine Art Grundsicherung ist für Familien dass das dann auch jede Familie die es braucht erhalten könnte.
00:23:17: Aber ich verstehe jetzt auch nicht alle Politik dahinter.
00:23:21: Und es gibt einen Tag der Sozialarbeiter in Brasilien, richtig?
00:23:26: Ja.
00:23:27: Hab ich mir natürlich auch nicht gemerkt, da hab' ich dir geschrieben oder deswegen hast du dir das gemerkt!
00:23:33: Es wird sehr gerne gefeiert und mir auch ein bisschen das Gefühl ist einfach für die Außenwirkung, zum Einen für die Leute, die da gefeiert werden... wird Wertschätzung sehr viel über solche Sachen gezeigt, dass man eine Kleinigkeit bastelt.
00:23:49: Dass das auf Instagram posten kann und dann war irgendwie Tag der Sozialarbeiterin.
00:23:55: Dann hat die Sozialarbeiterin, die da fest angestellt ist, eine Karte gebastelt bekommen.
00:24:00: Und ich hab auch einige gebastlt bekommen, weil ich auch Sozialarbeiterin bin.
00:24:04: Ich mich ganz lang drüber gefreut.
00:24:06: Und dann dachte ich mir ... Ach ja?
00:24:08: Diana!
00:24:09: Der schreib' ich jetzt heute
00:24:09: mal.
00:24:10: Schön, da habe ich mich auch gefreult.
00:24:12: Ja, so ein Tag.
00:24:14: bräuchte doch jedes Land, oder?
00:24:17: Stimmt.
00:24:17: Wertschätzung ist total... Also klar es ist nur eine Kleinigkeit das man sagt okay der Tag ist jetzt diesem Thema gebildet mit und dieser Personengruppe aber es zeigt schon auch einfach eine Wertschützung.
00:24:30: Und was hattest du denn dann neben der Arbeit?
00:24:34: Welchen Ausgleich hatteste du zur Arbeit?
00:24:36: Weil so ne vierzig Stunden Woche.
00:24:37: du hast ja auch schon gesagt, dass irgendwie auch lang.
00:24:39: dort ist auch noch ein Arbeitsweg da auch.
00:24:42: Also ich war super schnell auf der Arbeit.
00:24:45: Meine Einsatzstelle war auch eigentlich noch im Zentrum, ich bin fünf Minuten zum Bus gelaufen, fünf Minuten Bus gefahren und fünf Minuten zur Stelle dann gelaufen.
00:24:55: Ich hätte auch dreißig Minuten so laufen können und manchmal dann im Sommer bin ich einfach zurückgelaufen.
00:25:00: Da konnte man durch ein paar Viertel laufen wo auch so... also in dieser Stadt ist ganz viel so Graffiti-Kunst auch Richtig schön, da kann man dann wenn das Wetter schön ist, schön langschlindern.
00:25:17: Nach der Arbeit vor allem in der Anfangszeit habe ich auf der einen Seite viel versucht irgendwie die Stadt zu erkunden und ein bisschen zurechtzufinden und irgendwie Worte zu finden an denen man sein kann, an denen es vielleicht Kunst und Kultur gibt.
00:25:32: Und ich bin im Auguste angekommen und in dem Jahr war im April aber ganz schwere Überschwemmungen.
00:25:39: Da ist ganz, ganz viel kaputt gegangen von der Infrastruktur und aber auch vom Sozialleben.
00:25:43: Das heißt da hat sich dann in der Zeit, wo ich da war nach und nach und zum Beispiel Restaurants wieder aufgemacht, Kulturangebote wieder gestartet weil ganz viele eben wieder aufgebaut werden musste, weil entweder die Orte zerstört wurden, Häuser überschwemmt oder die Leute, die da angestellt waren, die das betrieben haben nicht mehr die Möglichkeit hatten dort zu sein oder das finanziell weiterzubetreiben.
00:26:09: Und dann habe ich auch noch ganz viel Zeit mit meinen Mitfreiwilligen verbracht.
00:26:13: Also wir waren dann zu viert da gewohnt in unserer Wohnung und wir haben so viele Karten gespielt, also bayerische Kartenspiele und das ist es auch so wenn man eine neue Sprache lernt und dann schon den ganzen Tag auf dieser Sprache arbeitet mit Kindern So schön, wenn man heimkommt wieder in seiner Muttersprache sprechen zu können.
00:26:42: Weil sich das dann so viel leichter anfühlt.
00:26:45: wir haben immer zusammen gegessen und schon auch versucht mal rauszugehen Und ich habe dann auch versucht ein paar verschiedene Sport Sachen auszuprobieren.
00:26:54: aber ich bin kein so sportlicher Mensch.
00:26:55: also da bin Ich nicht sorg dran geblieben.
00:26:58: ganz oft war ich ja wirklich einfach fertig Wenn ich da um halb sechs Zuhause war Dann ist auch schon fast wieder dunkel geworden, hat der Tag eigentlich einfach vorbei.
00:27:11: Auch da schon versucht zu lesen auf Portugiesisch aber das war mir dann noch wirklich zu anstrengend also es war einfach nicht drin am Anfang.
00:27:20: Und wie hast du jetzt dein Ankommen und Einleben erlebt?
00:27:25: Also gab's denn irgendwann den Moment wo du gemerkt hast so Jetzt bin ich angekommen im Brasilien.
00:27:35: Ich glaube, es waren immer so kleine Momente wo ich mich dann so gefreut habe.
00:27:41: Wenn ich zum Beispiel wenn man in den Bus steigt und merkt okay ich sehe irgendwie mal wieder die gleichen Gesichter.
00:27:46: So ich kenne mich jetzt hier aus oder du sprichst im Supermarkt immer wieder mit der gleichen Person und weißt ok das ist mein Supermarkt wo ich immer hingehe?
00:28:01: So ein Ankommen.
00:28:02: oder wenn ich dann so Gespräche geführt habe und nicht als allerallererstes direkt gefragt wurde, wo ich denn herkomme.
00:28:07: Sondern auch erst mal eine Frage stellen konnte und er ist danach klar aber du bist nicht von hier oder?
00:28:13: Das sind kleine Ankommomente, wo man sagt okay irgendwie gehöre ich jetzt auch hierhin also ich bin nicht mehr nur zu Gast und ich kann die Leute grüßen die ich auf dem Weg treffe oder ich kann frühes beim Aus- und Haus gehen einen kleinen Witz machen mit dem Portier.
00:28:35: Also Sprache hat einfach eine sehr, sehr große Schrolle gespielt?
00:28:39: Ja, Sprach ist nur total große Brücke.
00:28:41: wenn man sich nicht verständigen kann dann kann man auch keine Leute treffen, nicht in Begegnungen gehen und Begehnung ist ja das was Leben irgendwie spannend und interessant macht.
00:28:53: Und ich hab das am Anfang so gemerkt.
00:28:55: Ich dachte mir manchmal, ich bin so lustig und keiner von euch weiß es!
00:29:01: Also ... Ich kann nichts Lustiges sagen, weil alle Worte die ich kann sind Worte, die ich zwingendringen brauche.
00:29:07: Ich kann sagen, ich habe Hunger, ich hab Durst.
00:29:09: Ich bin müde, aber ich kann euch nicht sagen dass... Ja was weiß ich nicht, was man jetzt Lustige sagen würde?
00:29:16: Aber's geht halt einfach nicht so.
00:29:18: Situationskomik.
00:29:19: Mhm,
00:29:22: ja.
00:29:24: Passt vielleicht auch jetzt zu meiner nächsten Frage gab's, denn dann auch Situationen wo du dich fremd gefühlt hast oder wo du so an deine Grenzen gekommen bist?
00:29:33: und wenn ja wie bist du damit umgegangen?
00:29:37: Ich glaub immer in so Situationen, wenn es irgendwie irgendwas nicht so gut klappt.
00:29:42: Dann versuch ich mich an was mir bekannt ist und dann kommen ganz deutsche Züge raus mich manchmal, wenn irgendwie Kommunikation nicht so einfach war drüber geärgert.
00:29:55: Warum das denn nicht einfach?
00:29:57: mehr Leute sagen können was sie meinen?
00:30:00: Obwohl mir ja bewusst ist dass Kommunikations einfach je nachdem in welchem Land man ist wie die Kultur funktioniert ganz anders stattfinden kann.
00:30:08: und solange alles gut ist kann man damit relativ easy umgehen.
00:30:13: und wenn es dann zu Konfliktsituationen geht wird uns Kotik-Konfliktsituation gibt wird es natürlich immer schwieriger.
00:30:20: Zum Beispiel, da war ich von meiner Mitfreiwillige.
00:30:25: Wir waren krank und die Chefin von der einen anderen Einrichtung hat uns Besuch, weil sie noch irgendwas vorbeibringen wollte und wir waren eben krank zu Hause und deswegen waren die Sachen noch nicht abgespült.
00:30:40: Und dann hat sie meine Chefin gefragt oder die haben dann besprochen, ob wir denn jemanden bräuchten der für uns putzt.
00:30:47: Weil wie sie unangekündigt vorbeigekommen war, weil wir krank war es nicht aufgeräumt waren.
00:30:51: was sie hat das zu uns nicht gesagt.
00:30:52: sie hat uns nicht gefragt ob wir Hilfe brauchen sondern halt so.
00:30:56: oh es sieht aus in dieser Wohnung und wir müssen da jetzt etwas gegen machen.
00:31:00: aber zum mir mag ich sagen nein ist alles okay und sowas ist dann in so einer konfliktsituation so.
00:31:06: warum ist das denn jetzt so?
00:31:08: spricht auch mit mir auch was man einfach umgehen lernen muss, dass Kultur und Sprache anders funktioniert.
00:31:17: Also nicht nur wirklich die Sprache im Sinne von Worten sondern auch die Art und Weise wie man kommuniziert.
00:31:24: Also die hat dann einfach auch geholfen ja das anzunehmen und halt dann dich darauf so einzulassen und
00:31:31: irgendwie
00:31:33: das ja das so an zu nehmen.
00:31:35: Ja genau weil er einfach eher indirekter kommuniziert wird wenn man es halt gewohnt ist, dass man alles direkt anspricht klare Anweisung bekommt, dann ist es natürlich ... Wenn ich frag, ist das gut so?
00:31:46: und mir sagt jemand, ist gut so?
00:31:47: Dann gehe ich da hin.
00:31:48: Ich bin deutsch.
00:31:49: Wenn jemand sagt, dass es gut ist, ist es gut.
00:31:51: Weil wenn's nicht gut wäre, hätte auch jemand gesagt, nee, passt nicht.
00:31:56: Ist aber so nicht üblich.
00:31:58: Das ist einfach was, womit man an umgehen lernen muss.
00:32:01: Und so im Laufe des Jahres hast du dann das Gefühl, dass du besser damit umgehen konntest?
00:32:07: Ich glaub schon, ich hab das auf jeden Fall ... mehr gelernt, eben auch auf einfach andere Sachen zu achten.
00:32:13: Was kommt noch dazu zur Kommunikation?
00:32:15: Weil es sind ja nicht nur die Worte sondern ... wird der dann vielleicht auch anders verpackt wenn irgendwas nicht so gerne gesehen wird oder so.
00:32:22: aber am Anfang ist man dann vielleicht schon auch ein bisschen naiv und denkt so okay ich nehme das jetzt alles mal fürbare Münze obwohl man eigentlich sie vorher schon damit beschäftigt hat und weiß es geht um mich unbedingt.
00:32:33: aber wenn da schon so viel los ist im Kopf Die Kultur, die man mitbringt auch so einen Sicherheitsankauf den man sich bezieht.
00:32:45: Und jetzt bitte ich dich... Wir bitten alle unsere Gäste uns an einen Ort mitzunehmen der irgendwie in dem freiwilligen Jahr eine besondere Bedeutung hatte.
00:32:56: und fällt dir so ein Ort ein?
00:32:59: Wenn ja wie hat es sich dort angefühlt?
00:33:01: Wie hat das Gerochen?
00:33:02: Wie hattest ausgesehen?
00:33:05: Und zwar mit an diesen Ort wenn du möchtest!
00:33:09: Da, wo ich gewohnt habe in Portal d'Agré.
00:33:11: Das war relativ nah am Flussurfall.
00:33:13: so da ist eine große Lagune und das heißt aus dem Zentrum der Stadt wirkt die Stadt eigentlich auch gar nicht so groß weil es auf der einen Seite vom Wasser begrenzt ist.
00:33:22: wenn man von oben aus den Bergen in die Stadt guckt oder von den Hügeln dann sieht man wie groß die Stadt.
00:33:28: aber von dort wo ich schon gewohnte hat sich es eigentlich begrenzt angefühlt und man konnte durch relativ lange Straße von unserer Wohnung, eigentlich fast geradeaus bis zu diesem Flussufer langlaufen.
00:33:43: Da waren dann so Stufenterassen mit Blick auf diesen Fluss und da ist immer die Sonne direkt über dem Wasser untergegangen.
00:33:53: Und dann konnte man da abends total schön sitzen.
00:33:56: Sonntags war auch immer die Straße, die da ist noch gesperrt also das war nur für Fußgänger und Fahrräder offen.
00:34:02: Dann hat sich da total viel Leben abgespielt Und da saßen wir richtig oft zum Sonnenuntergang.
00:34:08: Ich habe mich dann auch direkt nach der Arbeit hin, zwanzig Minuten von dort konnte man eben auch dahin laufen und da habe ich mich mit meinen Mitfreiwilligen ganz oft getroffen und wir haben Karten gespielt.
00:34:17: Es war aber auch immer superwindig also wir mussten die Karten auch alle immer super gut festhalten.
00:34:22: Wir sind auch öfter Karten nachgerannt.
00:34:24: Dann eben der Wind diese Terrassentreppe runtergewählt hat zum Flussufer, wo es so ein bisschen Wellengang war weil schon relativ groß war und dann wird das alles in so goldenes Licht getaucht beim Sonnenuntergang.
00:34:38: Und da war so ein ganz großes Gassommelso heißt es, so eine alte Anlage die jetzt im Museum ist mit so einem großen langen Schornstein-Turm.
00:34:49: Die waren so schön angeleuchtet, war auch so Backsteinhaus und da kann man den einen oder anderen Abend richtig schön verbringen.
00:34:59: Schön!
00:35:00: Welche Geräusche waren so im Hintergrund?
00:35:04: ganz viele Leute, aber es war auch immer Musik.
00:35:06: Weil da waren dann so kleine Barhütten wo man sich Getränke kaufen konnte oder was zu essen und dann haben da ganz oft auch entweder Musik aus Lautsprechern oder das war eine kleine Band da die gespielt hat.
00:35:19: Man hat einfach ganz viel Leute und Leben gehört.
00:35:23: Und es finde ich richtig schön wozu sein, wo Leben stattfindet.
00:35:30: Wenn du dich jetzt an die Menschen erinnerst mit denen In dem Jahr gearbeitet hast, mit denen du viel Zeit verbracht hast.
00:35:36: Gibt es da jetzt eine besondere Begegnung die heraussticht?
00:35:41: Oder vielleicht eine Person, die dich besonders beeindruckt hat?
00:35:46: Das ist meine Lieblingsperson auf der Arbeit.
00:35:52: Jetzt bin ich Anna und Anna so ein Sekretariat und sie war eigentlich vor allem für den Sozialdienst zuständig und hat ganz viele Abrechnungen gemacht Aber sie war halt immer da und sie war im gleichen Ort.
00:36:08: Und ich wusste, ich kann da immer hinkommen, egal was es ist.
00:36:10: Wenn ich irgendwas nicht verstanden habe... Sie hat mir das alles erklärt!
00:36:14: Sie hat mich das so ruhig erklärt.
00:36:16: Wie ich dann eben besser sprechen konnte, hat's mir alle möglichen Witze erklärt, alles, was die gesagt hat.
00:36:23: Was andere Leute mir gesagt haben, was ich nicht verstand hab.
00:36:26: Ich konnte zu ihr flüchten.
00:36:29: wenn mir irgendetwas gerade zu viel geworden ist, sitz' ich mal So gut gekümmert und egal, mit was ich gekommen bin.
00:36:36: Sie war immer so hier, setz dich zu mir?
00:36:38: Hier ist ein sicherer Ort.
00:36:41: Das finde ich ... so schön, wenn jemand einem so eine Sicherheit geben kann.
00:36:46: Also von Anfang an, sie kannte mich nicht.
00:36:49: Wir haben das erste Mal gesehen und sie war so... Ich pass jetzt auf dich auf!
00:36:53: Obwohl es gar nicht ihr Job ist sozusagen.
00:36:57: Sie hat eigentlich einen ganz anderen Aufgabenbereich Ja, wie da alles funktioniert, jegliche Abkürzungen die ich nicht verstanden haben.
00:37:06: Also sowohl das fachliche wenn ich dazu fragen habe die eigentlich also und auch wenn ich die gleiche Frage zehnmal gestellt hab aber auch so Kultursachen dann hat sie irgendwas erwähnt was ist das kenne ich nicht?
00:37:17: Dann hat sie Handy rausgeholt und haben mir erst mal ein Instagram Video gezeigt guck und das ist irgendwie eine Kinderserie Und hier die und die Charakter und das gucken die Kinder jetzt alle und dass es total wichtig zu kennen.
00:37:28: und Da habe ich irgendwann gesagt Äh, die Kinder dürfen ja irgendwie keine Schimpfwörter benutzen.
00:37:34: Aber ich kenne gar keine Schimmförder und dann war's so okay hier.
00:37:37: Da sind Schimpfförder, die die Kinder nicht sagen dürfen wenn ihr das sagen kannst was machen.
00:37:41: Und es ist ja... Das muss auch erst mal jemandem sagen?
00:37:45: Also wie soll ich den Kindern verbieten irgendwelche Schimpflöder zu sagen, wenn ich sie nicht selber kenne?
00:37:51: Ich wollte dich auch fragen, was dir so Sicherheit gegeben hat in so herausfordernden Situationen.
00:37:57: Du hast jetzt ganz viel von Menschen gesprochen,
00:38:00: so,
00:38:02: die sich da so begleitet haben praktisch.
00:38:04: Also auf der Arbeit die Person oder?
00:38:08: Ja ich glaube ich ziehe ganz viel Sicherheit aus Menschen also nicht.
00:38:15: es gibt ja auch so können das zu Hause nicht nur ein Ort ist sondern auch Leute und ich glaube für mich macht das auch wirklich am meisten mit aus und deswegen bin Ich bin froh, dass ich aus meinen Mitfreiwilligen Sicherheit ziehen konnte.
00:38:32: Dass wir da viel Zeit zusammen verbringen konnten und es nicht total ... Es kann ja auch sein, dass man jemanden mit dem man zusammen wohnt, den man einfach nicht matcht oder keine Gemeinsamkeiten hat.
00:38:43: Sondern dass jeder in verschiedenen Situationen immer jemanden haben konnte, mit dem sich austauschen kann der für einen da ist.
00:38:54: Und ich glaub... wenn ich mich mit Leuten, die nicht zusammen gewohnt hätte, nicht verstanden hätte.
00:38:58: Dann wäre ich auch nicht glücklich in dieser Wohnung gewesen und wär da nicht gut
00:39:01: hingekommen.".
00:39:06: Und jetzt bist du ja schon wieder ein Jahr in Deutschland?
00:39:11: Wo wirkt denn diese Verbundenheit bis heute noch nach?
00:39:17: Gibt es Menschen aus Brasilien, mit denen du jetzt noch in Kontakt bist – also mit den Mitfreiwilligen aber auch mit Kollegen, Kolleginnen ...
00:39:26: Also ich bin immer mal wieder ein bisschen mit Leuten in Kontakt aus Brasilien, aber wie gesagt, ich bin da auch ein bisschen schlecht drin.
00:39:33: Das heißt das beläuft sich oft auf ... Man denkt aneinander und schickt sich was Lustiges auf Instagram?
00:39:39: Aber ich finde ganz oft reicht es ja schon weil das zeigt... Ich denke an dich!
00:39:44: Und wenn irgendjemand also jemand etwas sieht und so arg an mich denkt dass er's mir mitteilen möchte, das ist doch so ein großer auch Liebesbeweis Und da freue ich mich immer ganz hart drüber.
00:39:57: und ich glaube sonst auch wirklich viel Sprache und Kultur, also auch Musik vor allem.
00:40:03: Ich mag sehr gerne Musik, ich höre gern musiklich singen gerne.
00:40:06: Und ich war jetzt im Sommer auf einem Konzert von der Künstlerin aus Brasilien die ich gefunden habe wie in Brasilien war, Ja, in Europa unterwegs war ein Portugal und die hat jetzt im Sommer Konzerte gespielt.
00:40:23: Und da war ich uns so toll weil ich mich so verbunden gefühlt habe irgendwie mit einem Abstand von meinem Leben.
00:40:31: Der manchmal ganz weit weg scheint aber in dem Moment so nah wie der war.
00:40:34: Dann heißt er auch schöner, dann konnte ich die Texte verstehen und dann sie anmoderiert und hat irgendwie auch was auf Portugiesisch gesagt glücklich gemacht.
00:40:47: Und dann habe ich bis hin die Texte mit übersetzt, um auch einfach das zu teilen was jetzt ein Teil von mir geworden ist.
00:40:55: Schön!
00:40:55: Das hast du uns ja schön gesagt irgendwie ein Teil van dir is'n Teil von deinem Leben dieses Jahr Die Erfahrungen in die Du gemacht hast.
00:41:03: Wie war jetzt der Abschied nach dem Jahr?
00:41:06: Ja hast viel erlebt viele Menschen getroffen viele Worte.
00:41:13: Es war ja klar, dass dieser Abschied kommt und es war auch schon klar wann dieser Absied kommt.
00:41:20: Und ich finde von so einem Jahr oder ist das egal wie lange die Zeit ist?
00:41:23: Die erste Hälfte braucht irgendwie immer...die dauert viel länger als die zweite.
00:41:29: Und ab diesem hälften Punkt kippt's total uns geht alles richtig schnell vorbei!
00:41:34: Ich habe versucht mir möglichst bewusst an vielen Orten die Möglichkeit zu nehmen aktiv irgendwas zum letzten Mal zu erleben, also jetzt noch einmal das machen und das bewusst nochmal erleben.
00:41:52: Und dann habe ich Arbeit glaube in der letzten Woche auch eigentlich nur noch auf Autopilot gestellt.
00:41:59: Es war irgendwie so viel und da muss man das organisieren.
00:42:02: Dann hatten wir noch mal Seminar bei uns in der Stadt im Haus.
00:42:07: Das heißt es waren dann irgendwie alle anderen Freiwilligen aus den anderen Orten die sind Die hatten so einen Abschied, haben ihre Sachen gepackt.
00:42:15: Sind da weg wo sie ein Jahr lang gelebt haben und haben noch mal mit unseren Abschied gemacht.
00:42:21: Und ich hatte das Gefühl bei mir es war so bisschen vermischt also... Es war irgendwie so jetzt Abschied nehmen aber das letzte Wochenende ist auch noch Seminar und das kommen nochmal alle und das erwarten aber auch alle von uns dass wir ihnen nochmal unsere Stadt zeigen und wie's bei uns aussieht und dann fand ich das total überfordernd!
00:42:40: Also Ich hätte noch mal mehr Zeit für mich gebraucht.
00:42:44: Dies aber einfach nicht mehr gab.
00:42:46: in dem Moment
00:42:48: und auf der Arbeit gab es da irgendwelche Worte, irgendwelchen Gesten oder so
00:42:53: die
00:42:54: an die du dich jetzt noch erinnerst?
00:42:56: Die bleiben...
00:42:58: Ja ich glaube ich erinnere mich total gerne auch an den letzten Tag.
00:43:04: Es war nochmal ein Ferien-Event das heißt wir hatten irgendwie eine Woche nochmal alle zusammen.
00:43:11: Also und sonst waren die Gruppen relativ einzeln gelaufen, die vier verschiedenen Altersgruppen.
00:43:17: Und dann war das noch mal so ein Gemeinschafts-Event in dieser Woche wo dann verschiedene Teams gebildet wurden aber aus allen Altersgruppen und ganz viele Gemeinschaftspiele jeden Tag gemacht wurden.
00:43:29: Dann war an meinem letzten Arbeitstag im Ende davon sowieso eine kleine Preisverleihung, wo nochmal alle Kinder, die dabei waren... Ja, wie tagt man da?
00:43:41: geähert wurden, so kleine Geschenkchen verteilt und irgendwie finde ich es total schön dass das dann so ein gemeinschaftlicher Abschluss war.
00:43:48: Und dann wurde ich auch verabschiedet.
00:43:53: Es gab eine von den Pädagogien mit denen ich mich sehr gut verstanden habe und eine mit der hab' ich nicht so gut verstanden und ich war aber meistens in der Gruppe von der mit der ich mich nicht so Gut Verstanden hab'.
00:44:04: Die wollte eigentlich gerne noch etwas was sagen die mit der ich mich sehr gut verstanden habe, das Wort ergriffen.
00:44:12: Und er hat sich noch mal vor alle gestellt und hat nochmal was zu mir gesagt und wie schön sie es finde, dass ich da war und wie viel ich irgendwie dabei getragen hab und dass ihr auch sieht, wie gut ich mit den Kindern bin.
00:44:28: Wir hatten vorher schon so ein Video gemacht von den Kindern, wie die die ganzen Sachen bekommen haben.
00:44:35: Das ist auch mit auf Video aufgenommen, obwohl's gar nicht so... gedacht war, das jetzt so präsentieren.
00:44:39: Und hier ist eine große Darstellung davon, sondern es war irgendwie ein ganz echter Moment und nicht geplant, sondern von Herzen.
00:44:48: Das macht mich ganz glücklich!
00:44:51: Jetzt hattest du den Abschied auf der Arbeit?
00:44:54: Du hattetst den Abschnitt von den anderen Mitfreiwilligen, die viel und wild waren... ungefähr einem Jahr wieder in Deutschland.
00:45:05: Hast du denn das Gefühl, hier schon wieder voll angekommen zu sein?
00:45:09: und wie war das Ankommen für dich?
00:45:12: Also als ich erstmal angekommen bin, bin ich zu meinen Eltern und bin auch irgendwie direkt wieder reingestartet im August-Sommerfällenprogramm wo ich's seit seit ich acht Jahre alt bin, als Kind dabei war und dann seit über zehn Jahren als Betreuerin.
00:45:30: Und bin da eigentlich direkt hingegangen auch wieder ... Ich hab so vertraute Orte gefunden und gesucht.
00:45:40: Zu Hause.
00:45:41: bei meinen Eltern ist das natürlich auch so vertratut, dass es gar nicht so schwer war, da wieder anzukommen.
00:45:47: Vor allem weil die Leute, die ich vorher hatte ja immer noch da sind fixes Netzwerk wiederkommt.
00:45:57: Ich hatte irgendwie voll das Gefühl, dass ich da richtig gut wieder ankomme und dann bin ich eineinhalb Monate später für meinen Master gleich wieder woanders hin und irgendwie den Neuanfang den fand ich viel schwieriger.
00:46:10: also Da habe ich dann auch alles natürlich gleichzeitig angefangen, auch arbeiten und studiumen.
00:46:16: Und wieder neue leute und Dann noch mal mehr verbindungen an andere orte durch den freiwilligen diens aber auch durch die leute aus meinem bachelor Die dann auch alle irgendwohin verstreut waren und Ich fand es dann tatsächlich gar nicht so einfach wieder anzukommen.
00:46:30: und dann hab ich mir ein master gesucht indem man auch nochmal einen Auslandzimmer machen muss.
00:46:34: Und wie ich mich dann darum kümmern sollte hat mich das irgendwie so überfordert Das alles zu managen die Perspektive schon wieder irgendwo neu anfangen zu müssen.
00:46:45: Und jetzt im Nachhinein nenne ich mir so, ich hätte mich halt auch einfach dahinter klemmen sollen können.
00:46:49: dann könnte ich jetzt noch mal nach Brasilien gehen was vor allem auch ans Sprachtest den man machen müsste wo es nur so ein oder zwei Termine immer gibt lag.
00:47:01: und ja aber ist auch okay mir einfach die Zeit zu geben und dass das nicht direkt wieder irgendwie soweit oder so viel Organisation sein musste und das ist auch schwer sein, da wieder anzukommen.
00:47:17: Auch wenn ich mir gerne anders gewünscht hätte.
00:47:21: Und wenn du jetzt zurückblickst kannst... Du musst gar nicht auch zurückblicken!
00:47:28: Du kannst doch einfach jetzt schauen, kannst du sagen was sich in dir durch dieses Jahr verändert hat?
00:47:34: Oder wenn du an Werte oder Eigenschaften denkst die dich auch durch das Jahr getragen haben, gab es da irgendwas was dir auch geholfen hat?
00:47:45: Sachen die vielleicht schon davor da waren aber auch Dinge die sich dann eben verändert haben wo du gemerkt hast.
00:47:53: Ich glaube ich wurde oft damit konfrontiert irgendwie auch mal Zeit alleine zu verbringen was ich grundsätzlich nicht so gut kann oder einfach auch nicht so gerne mache oder gemacht habe.
00:48:08: Und wenn man dann einfach wieder irgendwo ist und noch kein Netzwerk hat, muss man das halt einfach mehr.
00:48:17: Ich glaube vielleicht bin ich auch ein bisschen resilienter geworden.
00:48:22: Ich habe mich nochmal mit neuen Dingen beschäftigt.
00:48:25: Mit neuen Menschen, außerhalb von meiner Komfortzone.
00:48:35: Gute Frage!
00:48:37: Ich habe mich natürlich mehr damit beschäftigt, was es für mich bedeutet irgendwie Deutsch zu sein und welche Teile von deutscher Kultur oder auf den Städotypen die wir in über Deutschland dann immer erzählt auch einfach auf mich zutreffen.
00:48:52: Und was mir da aber auch vielleicht Sicherheit dran gibt und das ist ja auch nicht immer nur etwas Negatives ist zum Beispiel zu sagen okay mir ist es wichtig pünktlich zu sein oder mir ist Es wichtig direkt zu kommunizieren und es gibt mir Sicherheit wenn ich frage passt es so?
00:49:06: und mir sagt dann und zu wissen Ich kriege eine Rückmeldung, die stimmt und nicht jemand sagt mir das ist okay.
00:49:13: Obwohl es nur weil's halt höflich is'.
00:49:17: Und ich glaub dann hab' ich solche Sachen wie Ehrlichkeit oder Direktheit einfach auch nochmal anders zu schätzen gelernt.
00:49:25: Aber auch dass es wie schönes irgendwie so verschiedene Kulturaspekte zusammenzubringen, sagen ok ich kenne es so!
00:49:34: Du kennst es anders und wir finden jetzt unseren gemeinsamen Weg das trotzdem für uns beide passt.
00:49:40: Und gibt es irgendeine Alltagssituation, die dir jetzt einfällt in der du dich vielleicht vor dem Jahr anders verhalten hättest als nach dem Jahr?
00:49:50: Ich glaube ich bin mir bewusst darüber was um mich rum passiert.
00:49:53: oder ist ja auch so etwas was man oft immer gesagt bekommt... Man muss!
00:49:58: vorsichtiger sein.
00:49:59: Ich finde nicht, dass man unbedingt vorsichtig sein muss sondern ich finde wenn man irgendwo hinkommt und Leute einem ansehen das man dort fremd ist und jetzt nicht nur weil man anders aussieht sondern einfach weil man sich anders verhält, weil man die Geplogenheiten nicht kennt.
00:50:11: aber ich weiß wie soll ich mich jetzt hier verhalten?
00:50:14: dann erzählen einem noch alle ja es wäre so gefährlich ähm...und ich finde eben nicht dass der große Unterschiedes wo man ist sondern wie man sich verhält und ich glaube da bin ich aufmerksam geworden Ich finde nämlich so ein lustiges Beispiel zu, das soll ich sagen.
00:50:31: Es wäre so viel gefährlicher.
00:50:33: Ich habe einen kennengelernt, der einen Freiwilligendienst ... Also ein Brasilianer, der in Deutschland einen freiwilligen Dienst gemacht hat.
00:50:37: Er sagt im Brasilien ist ihm noch nie was passiert, er wurde noch nie irgendwas klaut und in Hamburg im Zug wurde seine ganze Tasche geklaut weil er sich eben nicht zur Verhalten hat wie jemand wo dort schon immer ist und weiß wo die Gefahren lauern.
00:50:55: Und denkst du dass die Zeit auch Jetzt noch mal deine beruflichen Entscheidungen geprägt hat.
00:50:59: Also du siehst jetzt den Master in internationalen sozialer Arbeit, war das davor schon klar?
00:51:04: oder hat sich durch dieses Jahr auch nochmal mehr rauskristallisiert?
00:51:08: Nee, klar waren wir das vorher doch nicht.
00:51:11: War mir auch noch gar nicht sicher ob ich ein Master machen will oder nicht aber ich glaube es hat mich auf jeden Fall schon dazu gebracht oder mir den Weg geöffnet zu sagen okay mich interessieren zum Beispiel auch wie Systeme woanders funktionieren und auch was man voneinander lernen kann.
00:51:31: Was kann ich aus dem, was ich systemisch in Brasilien kennengelernt habe irgendwie mitbringen und etablieren zum Beispiel?
00:51:40: Und internationale Soziale Arbeit ist so eine grundlegend Töne Vernetzungsmöglichkeit das vielleicht ein bisschen wertschätzen
00:51:50: kann.".
00:51:51: Die Bundes- und Fördermittel im internationalen freiwilligen Bereich die werden jetzt Gerade immer weniger, also es wird immer mehr geschaut wo können Einsparungen gemacht werden und auch die Landeskirchen müssen sparen.
00:52:03: Das heißt wir werden auch in Zukunft von noch weiteren Kürzungen betroffen sein.
00:52:08: Wie schätzt du die Zukunft?
00:52:10: Und auch die Wichtigkeit der internationalen Freiwilligendienste ein?
00:52:15: Also ich finde dass die freiwilligen Dienste nur total schöne Möglichkeit zur Partnerschaft geben.
00:52:21: Das ist eine Verbundenheitschaft zwischen jungen Menschen von ganz verschiedenen Orten, die sonst nicht entstehen würde und man kann sich natürlich auch für Belange aus anderen Ländern einfach so interessieren.
00:52:34: aber wenn man irgendwo gelebt hat dann ist es einfach ein bisschen Teil von einem selbst geworden und dann hat das nochmal einen ganz anderen Stellenwert und man setzt sich viel mehr und vielleicht auch bewusster dafür ein Und das ist ja auch ein Ziel von diesen freiwilligen Diensten, auch einen Engagement nach diesem Jahr eben zu haben und weiter zu fördern.
00:52:53: Und ich glaube je mehr da eingespart wird, desto weniger kann diese Partnerschaft hätten auch gelebt werden und wir haben auch ein bisschen bedenken dass dann vor allem in der Süd-Nordkomponente gespart wird also dass dann v.a.
00:53:05: weniger junge Menschen aus den Partnerländern, aus dem globalen Süden die Möglichkeit bekommen eben auch hier sein zu können.
00:53:12: Ich glaube das finde ich total schade weil gerade diese Beziehungen so viel aus schlechten Strukturen herausgewachsen sind, aus Kolonialzeiten und Missionen.
00:53:26: Und jetzt man vielleicht an einem Zeitpunkt dass es gleichberechtigter ist und dann solche Einsparungen wieder ein totaler Rückschritt.
00:53:36: Du hast ja auch gesagt das es darum geht sich danach noch weiter zu engagieren.
00:53:42: in Deutschland Engagierst du dich ja auch noch bei der Vorbereitung der neuen Freiwilligen hier, beim Mission Eine Welt.
00:53:50: Und du bist jetzt ganz frisch für die Mission eine Welt ehrenamtlich im Fachausschuss vom Referatbegegnung weltweit tätig und das ist der Fachbereich, der beim Mission eine Welte für das freiwillige internationale Jahr zuständig ist.
00:54:04: Und von hier aus kannst du jetzt auch die inhaltliche Ausrichtung so mit unterstützen also von diesem Fachauschuss aus.
00:54:11: was hatte ich denn dazu?
00:54:12: bewogen dich jetzt hier auch noch mal zu engagieren und auch bei Mission Eine Welt, die ich inhaltlich nochmal mit einzubringen.
00:54:20: Das ist irgendwie alles ein bisschen einfach so passiert.
00:54:26: Ich habe mich hier wirklich in meiner Vorbereitung total wohlgefühlt.
00:54:29: Und als sie mich beworben hat, hatte ich natürlich auch ein bisschen bedenken wie es denn eine ursprüngliches Missionswerk passt es zu meinen Werten und habe aber richtig schnell gemerkt, dass das auf jeden Fall schon passt wie das umgesetzt wird.
00:54:44: Und ich fand es so wertvoll, wie meine Vorfreiwilligen unseren Jahrgang begleitet haben, dass ich das auch sehr gerne für andere Jahrgänge machen wollte.
00:54:54: Dann wurde ich einfach gefragt ob ich da mich einbringen will, dass eben auch dem von Freiwilligen damit gehört werden weil das in dem Referat in dieser Abteilung der Freiwilligendienst angesiedelt ist.
00:55:09: Und dann dachte ich mir, ja, ich finde es total wichtig dass da auch Stimmen für Freiwillige dabei sind und deswegen habe ich zugesagt und bin da jetzt endlich aktiv.
00:55:21: Da freuen wir uns sehr drüber auf jeden Fall Bevor wir jetzt zum Werbeblock für die kommen, die sich für einen Freiwilligendienst interessieren.
00:55:30: Möchte ich noch auf unseren Podcast-Titel eingehen?
00:55:34: Der Podcast heißt ja Losgelassen!
00:55:36: Wann würdest du sagen hast du im Bezug auf deinen freiwilligen Dienst losgelassen?
00:55:40: und welches war auch das bewegende Loslassen?
00:55:46: Ich glaube man muss immer wieder loslassen.
00:55:49: Jede Verabschiedung ist ein kleines Loslassen aber es ist ja nicht weg.
00:55:55: Also, es bleibt ja alles Teil von mir.
00:55:58: Sowohl was ich in Deutschland gelassen habe um nach Brasilien zu gehen aber auch was sich in Brasilien wieder zurückgelassen hab.
00:56:04: In meinem... ...in mir drinnen, in meinem Herzen ist ja alles mit dabei und deswegen weiß ich nicht.
00:56:15: Habe ich beim Loslassen immer auch einen Teil davon trotzdem weiter mitgenommen?
00:56:23: Und das Bewegendste loslassen?
00:56:27: Ich glaub's hätte mal so kleine Momente und es ist gar nicht wichtig, dass irgendwas Großes passiert.
00:56:32: Dass sich was verändert sondern gerade die Kleinigkeiten...
00:56:37: Jetzt kannst du noch einen kleinen Werbeblock hier einschieben?
00:56:42: Was würdest jemand sagen der sich für ein Freiwilligendienst interessiert und so kurz vor der Entscheidung trifft wie geht's weiter?
00:56:50: Ich glaube ich würde Leuten raten dass eine Entscheidung zu einem freiwilligen Dienst auf jeden Fall eine Entscheidung für einen Weg ist, der nicht immer einfach ist.
00:57:01: Der nicht nur unbeschwerte Zeiten verspricht bei dem man sich stark mit sich auseinandersetzen muss und mit anderen Menschen aber das man daraus so viel gewinnen kann.
00:57:13: Und auch wenn man jetzt ein Jahr lang in Deutschland sitzen wird – Nicht jeder Tag gleich und nicht jeder Tag schön ist sondern da gibt es auch traurige Tage oder schwere Tage Wenn man das überlegt, da kann man sich den Schutz geben und sich trauen.
00:57:27: Und wird daraus ganz viele große Wellen schlagen!
00:57:33: Dankeschön.
00:57:35: Danke schön Anna dass du hier warst und ja wir wünschen dir alles Gute beim neuen Ankommen in Wien.
00:57:41: dann und beim Loslassen aber doch wie Du gesagt hast, dass du die Sachen in deinem Herzen immer mitträgst.
00:57:52: Vielen Dank schön dass du da warst.
00:57:54: Danke dass ich hier sein durfte.
00:57:56: Willst du auch für ein Jahr mit Mission Eine Welt unterwegs sein?
00:58:00: Dann bewirb dich über unsere Website
00:58:02: missioneinewelt.de/.fj.
00:58:05: Wenn Du noch Fragen hast, dann kannst Du mich gerne unter der
00:58:27: Telefonnummer.
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